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9/11 Ehrliche Trauer oder falsches Mitleid?

11 Sep

Es ist genau 10 Jahre her und von einem Jubiläum ist hier keine Rede. Unter einem Jubiläum verstehe ich etwas schönes, aber Geschenke bekommt heute niemand und nur ein paar Menschen kann man noch gratulieren, dass sie es überlebt haben.

Das Unglück vom 11. September 2001 (in großen Schritten nacherzählt)

Die Terroranschläge in Amerika haben die ganze Welt erschüttert. Die Selbstmordattentate der Al-Qaida rissen ca. 3000 Menschen mit in den Tod, zerstörten Familien und brachten unglaubliches Leid über ein Land, welches sich nach außen stehts als stark zu repräsentieren verstand. Die Antwort Amerikas war zunächst einmal die große Trauer, die das Land erfasste und die Trauer schlägt um in Wut. Es folgt 2003 der Irakkrieg und dieses Jahr die Ermordung des Al-Qaida-Oberhaupts Osama bin Laden.

Ich gehe stark davon aus, dass diese Art Amerikas, mit den Terroranschlägen umzugehen, den Betroffenen nur wenig geholfen hat. Es bringt der Mutter den Sohn nicht zurück, lässt den Ersthelfer nachts nicht weniger Alpträume haben, nein, Rache hilft nur wenigen der betroffenen Familien.

Jetzt komme ich aber zum eigentlichen Thema, weshalb ich heute diesen Artikel schreibe. Bei den Terroranschlägen in Amerika kamen auch 11 Deutsche ums Leben. Ich kann durchaus verstehen, dass die Amerikaner und auch die Angehörigen der Opfer am 11. September jeden Jahres öfentlich der Opfer gedenken.

Aber wieso dreht sich heute, egal in welchen Medien, alles um die Terroranschläge? Es war schlimm und es jährt sich zum 10. Mal, aber reicht es nicht, wenn darüber ein Artikel erscheint? Muss die Bildzeitung ihre komplette Startseite mit zig Berichterstattungen zu dem Thema zubauen und sogar Live-Reporter nach Amerika schicken? Müssen alle Reportagen zu dem Thema wieder aufgewärmt und neue gedreht oder geschrieben werden? Die Homepages der großen Zeitungen wie die FAZ oder das Handelsblatt  begrüßen uns mit riesigen Bildern der Katastrophe. Einer Katastrophe die bereits 10 Jahre her ist. Die Welt berichtet zwar auch, hat das Thema jedoch nicht sofort als Header. Nein, hier gehts eher um die Euro-Krise, Schuldenländer und Griechenland. Und tatsächlich in einem Artikel, referieren sie nicht nur darüber, wie Kinder, die ihre Väter wegen 9/11 nie kennenlernten, damit umgehen, sondern bringen auch Stimmen, die nicht jedes Jahr in eine Lethargie verfallen. Es geht um Infamie und Schadenfreude, von einem Extrem zum Anderen. Besser kann man die Leser wohl kaum beeinflussen.

Um eins klar zu stellen, ich finde die Anschläge von 2001 noch heute schrecklich und war damals genauso geschockt und voller Mitleid für die Angehörigen. Ich habe für die Täter kein Verständnis und hoffe, dass so etwas nie wieder passiert, aber irgendwann ist es auch gut mit der Berichterstattung. Nach 10 Jahren interessiert es mich schlicht und ergreifend nicht, was für tolle und spannende Geschichten die Bildzeitung am Ground Zero ausgräbt. Man kann den Opfern stillvoll gedenken und man kann es mit falschem Mitleid auch arg übertreiben!

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Sonntag!

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Ein Kommentar

Verfasst von - September 11, 2011 in Internet, mellesworld

 

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Eine Antwort zu “9/11 Ehrliche Trauer oder falsches Mitleid?

  1. Ute

    September 12, 2011 at 6:25 pm

    Was ich mir zu den Anschlägen so denke, hat Volker Pispers vor acht Jahren schon bestens auf den Punkt gebracht: http://www.rueckspiegel.org/index.php/site/comments/wow_america_911/ .

    Genau aus den dort dargelegten Gründen halte ich auch keine Schweigeminuten ein (tun nämlich wohl auch die allerwenigsten Amerikaner für die Opfer ihrer vollkommen merkbefreiten Außenpolitik) und habe gestern sowohl das Radio als auch den Fernseher gemieden, weil ich das pathetische Geseiere über die ach so armen Amerikaner nicht mehr hören kann.

    9/11 war nach Pearl Harbour der erste Fall, wo sie mal auf eigenem Territorium eins auf die Mütze bekommen haben. Das war es doch, was sie eigentlich schockiert hat. Sie haben sich unangreifbar gefühlt, die Herren der Welt – und dann den Tatsachen ins Auge blicken müssen. Und ich gebe ihnen Brief und Siegel darauf, daß es nicht der letzte Anschlag dieser Art gewesen sein wird.

     

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